Schweig Bub

von Fitzgerald Kusz

Inhalt dieser aus dem Leben gegriffenen Satire ist die Konfirmation von „Fritzla'' Fritzlas. Vater Hans und seine Mutter Gretl  führen eine Gastwirtschaft in der auch die Familienfeier stattfindet. Das erweist sich als praktisch, denn so können sie mit Hand anlegen bei der Bewirtung der Gäste - und das sind neben Tante Anna und Onkel Willi noch die attraktive Cousine Hannelore der Alleinunterhalter Helmut das befreundete Ehepaar Gerda und Manfred
Und wie es sich für eine ordentliche Familienfeier gehört, wird tüchtig aufgetafelt, mit „Leberklöslassuppn, Schweinsbrodn mit Kluuß und Salod, Kaffee und Kuung, Worscht und Käs und zuletzt a Schdiggla Dordn" Ein volles Programm also, vom Begrüßungssekt nach dem Konfirmationsgottesdienst über Mittagessen, nachmittägliches Kaffeetrinken, Abendessen und Mitternachtstorte. Dabei, darüber und darum herum entwickeln sich Gespräche, Dialoge, Dispute und Szenen, wie im richtigen Leben. Und bei all dem erinnert der Vater immer wieder daran: „Dodd mer fei des Drinkn net vergessn."
Es ist eine Feier für die Erwachsenen. Während die schon beim Suppengang munter drauflos schwadronieren, ermahnt die Mutter des Fritzla, als der mitreden will: „Wenn der Vogl frisst, pfeift er net".
Die Themenpalette der Erwachsenen ist ebenso vielfältig wie belanglos. Es geht ums Essen, um Urlaubserinnerungen mit allen möglichen Vorurteilen und Klischees, um Krankheiten, den verlorenen Krieg, den man nur von Erzählungen des Großvaters kennt um Steuern, ums Geld, den neuen Papst, umHartz IV, um TV-Sendungen, um die Nachbarn und vieles andere mehr. In dem Maße, in dem der Alkoholpegel steigt, häufen sich Anzüglichkeiten und Witze zum „Thema Nr. I", und als Fritzla hartnäckig nachfragt, was damit gemeint sei, sagt ihm die Mutter:,, Jetzt sei ruhig. Ich hob heut kaa Zeit für diich", und der Vater droht mit Schlägen. Onkel Willi erzählt Witze, Hannelore ist einem Flirt nicht abgeneigt, Gerda führt ihren „süßen Manfred" als Mustergatten vor, die Eltern streiten sich bis die Mutter davon läuft. Man geht spazieren zwischen Mittagessen und Kaffeetisch, die Herren spielen Schafkopf, Gretl und Gerda ziehen über die Verwandten her.
Lediglich die gutmütige und lebensfrohe Anna besinnt sich zwischendurch kurz einmal auf den Konfirmanden und befragt ihn nach seinen Geschenken und den Konfirmationsspruch.
Die Eltern versöhnen sich wieder, es ist spät geworden, das Fritzla wird zu Bett geschickt und man rückt näher zusammen um sich noch einmal ausführlich dem „Thema Nr. 1" zu widmen. Man trinkt und singt lallend, schreit durcheinander und labert. Schließlich machen Gerda und Manfred den Anfang und brechen auf. Es ist spät geworden. Die Feier ist vorbei - Ich hoff, es hod eich wenigstns a wengla gfalln", sagt die Mutter ihren Gasten zum Abschied.

 

 

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Manfred von Linprun

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